Die Geschichte der FF Anklam

Die Anfänge

Anfang Mai 1874 kam es in der Wördeländer Straße zu einem Grossbrand.Als die wenigen Feuer- Spritzen aus der Umgebung endlich eintrafen, war kaum noch etwas zu retten. Doch dieses Feuer sollte Folgen haben - es war der Auslöser zur Bildung der Freiwilligen Feuerwehr Anklam. Nachdem der Anklamer Magistrat und die Polizei die Genehmigung gegeben hatten, kam es am 17.05.1874 zur Gründung der " Freiwilligen Turner - Feuerwehr " . Diese wurde auf einer Hauptversammlung des Anklamer Turnervereins ins Leben gerufen.Wer Mitglied werden wollte, musste auch dieser Vereinigung angehören.

Kein Wunder, dass es zunächst nicht genug Feuerwehrleute gab. So wurde als Reaktion auf den Personalmangel am 09.06.1874 ein Aufruf an alle " tatkräftigen jungen Männer der Stadt, denen das Herz am rechten Fleck sitzt " abgedruckt. Diese sollten der Wehr beitreten. Bis 1905 mussten die Wehrleute warten, dann endlich bekamen sie ihr erstes Dach über dem Kopf. Im Anbau des damaligen Rathauses an der Peene konnten sie ihre Geräte abstellen, mit denen sie immerhin zweimal pro Woche zu Übungen ausrücken mussten.

Mit Einführung eines Leitungssystems in der Stadt, konnten die Wehrmänner ab 1906/1907 ihr Löschwasser erstmals aus Hydranten fördern. Das erste Motorfahrzeug bekam die Anklamer Feuerwehr 1922.
Die Zahl der Einsätze war relativ gering. So musste die Anklamer Feuerwehr bis zu ihrem 50jährigen Bestehen im Jahre 1924, 105 kleinere und größere Brände löschen.

Die 30er Jahre und der 2. Weltkrieg

In den 30er Jahren, das genaue Datum ist nicht mehr bekannt, war Anklam Schauplatz eines Provinzial - Feuerwehrtreffens. Dazu waren 3500 Wehrmänner aus den 613 Feuerwehren Pommerns in der Stadt eingetroffen. Es fanden Arbeitstagungen, Vorführungen und eine Technikschau statt. Unter anderem wurde der Salzspeicher am Bollwerk eingeschäumt und 600 Kameraden nahmen an einer Waldbrandübung in Heidemühl teil.
Höhepunkt des Treffens war ein Aufmarsch zur städtischen Kampfbahn. Dieser wurde unter den Augen des Vertreters des Reichsführers SS und Chefs der Polizei, Generalmajor Pfeffer - Wildenbruch, durchgeführt.

Einige Jahre später begann das schwerste Kapitel, nicht nur in der Geschichte der Feuerwehr, sondern der ganzen Stadt. Wurden während des ersten Weltkrieges Gymnasiasten verpflichtet, um die zur Armee einberufenen Wehrleute zu ersetzen, war die Situation im zweiten Weltkrieg noch schwieriger. Nicht nur, dass die meisten Feuerwehrmänner in Militäruniformen steckten oder bereits an der mittlerweile zusammenbrechenden Front ihr Leben gelassen hatten: Bei verheerenden alliierten Bombenangriffen 1944 und 1945 hätte auch die beste Feuerwehr nur wenig Möglichkeiten gehabt, um Schaden zu verhindern.

Anklams Gesicht verbrannte im Bombenhagel und mit ihr die bisherige Geschichte der Feuerwehr Anklam. Als auch das Rathaus mit den Feuerwehrgaragen in Flammen aufging, wurden leider auch alle Chroniken über die Frühzeit der Anklamer Feuerwehr vernichtet.

Nach dem Krieg

Nach Ende des 2. Weltkriegs hatte Anklam genau genommen sogar zwei Feuerwehren Wehren im Stadtgebiet. Während eine Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr ohne Unterbrechung bestand, gab es daneben von 1949 bis 1956 eine Berufsfeuerwehr.

Das erste große Feuer nach der Auflösung bzw. Umstrukturierung von Berufswehren auf dem Gebiet der ehemaligen DDR war der Brand in der Gaststätte " Dabers". Die Personalstärke betrug damals 30 Kameraden. Als Löschfahrzeuge standen ein LF 15 und ein LF 8 zur Verfügung. Unglücklicherweise wurden bei diesem Einsatz auch noch zwei Kameraden verletzt. Verbunden mit dieser Zeit sind Namen wie: Werner Schlott, Lothar Wiechmann, Erich Engel, Willi Borck und Wolfgang Holz.

1968 bekam die Freiwillige Feuerwehr " Nachwuchs ". In der Nacht vom 11.01. zum 12.01. kämpfte sich ein Fahrzeug durch hohe Schneewehen bis nach Rathebur. Nur an den Baumkronen konnte man sich orientieren. Bei einer Frau hatten die Wehen eingesetzt und sie musste unbedingt ins Krankenhaus. Kurz nach 24 Uhr kam ihr Sohn zur Welt und ist seitdem das Patenkind der Anklamer Feuerwehr.

Über die folgenden Jahre haben wir leider nicht viele Unterlagen.
Im Februar 1981 wurde ein neues, modernes Tanklöschfahrzeug übergeben. Neben vielen Auszeichnungen und Ehrungen für die Wehr, erhielten 1984 die Stammmaschinisten Hans - Georg Klakow, Günther Engelhard, Hartmut Schadwill und Peter Cieslack die Note " sehr gut " für die Wartung und Pflege " ihrer " Fahrzeuge. Diese wurden behandelt, als ob es die eigenen wären. Unzählige Stunden verbrachten die Angehörigen vom Vorbeugenden Brandschutz mit der Kontrolle von Betrieben, öffentlichen Einrichtungen und Wohnungen.

Und auch der Feuerwehr - Kampfsport war ein wichtiger Bestandteil. Zahlreiche Urkunden zeugen vom sehr guten Abschneiden der Anklamer Wehrleute bei Wettkämpfen.
Am 27.09.1985 wurde der Wehr für ihre Einsatzbereitschaft und Traditionspflege der Ehrenname " Hermann Kroll " verliehen. Ihr neues und jetziges Domizil bezogen die Kameraden im März 1986 in der Peenstraße. Das alte Gerätehaus am Pferdemarkt wurde später abgerissen.

Nach der Wende

Mit dem politischen Umschwung zogen auch viele Erneuerungen in die Feuerwehr ein. So ging es auch bei uns darum, Kameraden aus den neuen Bundesländern kennen zu lernen. Im März 1990 fuhr eine Delegation zu einer Versammlung des Feuerwehrverbandes Soltau - Fallingbostel. Am 08.09.1990 weilte dann erstmals eine Abordnung unserer Feuerwehr in Anklams Partnerstadt Heide bei der dortigen Freiwilligen Feuerwehr. Aus diesem Besuch ist eine Partnerschaft entstanden, die noch heute besteht.

Die Zahl der Einsätze stieg stetig. Im Jahre 1990 waren es 58, davon 16 Verkehrsunfälle. Dabei musste oft das neue Schneid- und Spreizgerät eingesetzt werden. In den folgenden Jahren stiegen die Einsatzzahlen auf über 100 im Jahr und die Anzahl der Hilfeleistungen nahm immer mehr zu. Die Kameraden haben in diesen Jahren viel Leid auf den Straßen rund um Anklam gesehen.

Dann war es soweit. Am 28.12.1992 stand das erste moderne Löschfahrzeug auf dem Hof. Durch die neue Technik wurde den Wehrmännern die Arbeit sehr erleichtert. Das sanierte Gerätehaus wurde im April 1994 übergeben.
Im Mai feierte die Freiwillige Feuerwehr den 120. Geburtstag mit einem großen Volksfest auf dem Marktplatz. . Aus diesem Anlass förderte das Land Mecklenburg-Vorpommern mit 200.000 DM die Finanzierung eines neuen Tanklöschfahrzeuges.
Große Einsätze 1994 waren der Brand des Pfarrhauses in Bargischow und eine 20 km lange Ölspur von Ziethen bis Rathebur. Diese konnten nur mit Hilfe anderer Wehren bewältigt werden.

Ein Jahr später, im Juli 1995 wurde dann das neue Tanklöschfahrzeug übergeben und am 28.12.1995 wurde dann noch eine neuer Einsatzleitwagen in Dienst gestellt.

Feuer im Haus des Friedens - diesen Satz hatten die Wehrmänner schon oft gehört. Doch dieses Mal bot sich ein Bild des Schreckens. Am 09.05.1996 stand der komplette Dachstuhl des Nordflügels (??Südflügel??) in Flammen. Der Schaden betrug rund 2 Millionen DM.

Durch die Einstufung als Schwerpunktwehr musste ein Rüstwagen in den Fahrzeugbestand aufgenommen werden. Im September 1997 konnte er dann in Anklam bestaunt werden. Durch seine technische Beladung hat das Fahrzeug einen Wert von über einer halben Million DM.

Das Jahr 1998 war geprägt von Grosseinsätzen. Bei einem Feuer im "Wedelschen Haus" entstand im Februar ein Schaden von 700.000 DM. In den Morgenstunden des 23.05. brannte dann das Dach des Südflügels (??Nordflügel??) auf dem grade aufwendig sanierten Haus des Friedens. Wieder wurden 2 Millionen DM ein Raub der Flammen. Die "Alte Brauerei" brannte dann am 06.11. komplett nieder. Der Schaden betrug hier 4,5 Millionen DM. Den Abschluss in diesem Jahr bildetet das Zugunglück bei Klein Bünzow am 18.12.1998. Solche Bilder hatte noch keiner von uns gesehen. Ein Erpresser, der einige Millionen DM von der Deutschen Bahn forderte, hatte einen Güterzug zum Entgleisen gebracht und dabei einen enormen Sachschaden sowie eine mehrtätige Vollsperrung der Eisenbahnstrecke Berlin-Stralsund verursacht.

Zur 125-Jahrfeier im Mai 1999 fand die Weihe unserer Vereinsfahne statt. Darauf waren wir sehr stolz. Kurz zuvor wurde "der Erweiterungsbau" (Haus 2) des Gerätehauses an uns übergeben.

In Gellendin brannte 2001 eine Scheune, welche den Kameraden drei Tage Arbeit bescherte. Resultierend aus der Tatsache, dass der Wasserdruck nicht ausreichte, wurde dort ein Löschteich gebaut. Im selben Jahr feierte die Jugendfeuerwehr ihr 10jähriges Bestehen, das Löschfahrzeug auf ROBUR - Basis wurde umgebaut und das Gerätehaus bekam ein neues Dach.Ein Jahr später übernahmen die Anklamer Kameraden auf Grund einer Ersatzvornahme durch den Landkreis auch den abwehrenden Brandschutz in der Gemeinde Bargischow.

Als am 01.08.2003 die ersten Ehrennadeln der Hansestadt Anklam verliehen wurden, waren auch drei Mitglieder der Anklamer Wehr unter den Ausgezeichneten. Im November wurde dann ein Wunsch aller Kameraden wahr: die neue Drehleiter im Wert von 570000 wurde am 15.11.03 feierlich übergeben. Sie gehört zu der modernsten Technik, die es auf dem Markt gibt. Somit können wir mit Stolz sagen: Wir haben einen komplett erneuerten Fuhrpark und ein Gerätehaus, das auf dem modernsten Stand ist.
Der Ausbildungsstand wird ständig erweitert. Da sind zu nennen: ein regelmässiges Fahrsicherheitstraining für die Maschinisten, Ausbildungen im Brandcontainer und auf der Atemschutzstrecke sowie die monatlichen Dienste. Mit den Jahren haben sich auch Traditionen entwickelt. So nehmen wir mit der Gulaschkanone und der Technik an Veranstaltungen teil, führen jährlich eine Brandschutzwoche und seit 2007 einen Tag der offenen Tür durch sowie beteiligen uns am alljährlichen Kutterwettrudern zum Promenadenfest der Hansestadt Anklam und an Fußballturnieren (unserem eigenen und bei befreundeten Wehren). Weiterhin wird von unserer Wehr seit vielen Jahren die Maßnahme "Brandschutzerziehung für Kinder im Vorschulalter und Grundschulbereich", zuerst als ABM jetzt als MAE Maßnahme, betreut. Das dieser Maßnahme nicht nur für kleine Kinder von Interesse ist, zeigt sich auch an einem wachsenden Interesse von "großen Kindern".


Die weitere Entwicklung der Wehr ist seit Betrieb dieser Homepage in den Berichten dokumentiert.



Wehrleiter bzw. Wehrführer der FF Anklam nach Auflösung der Berufsfeuerwehr


Name, Vornamevonbis

Schlott, Werner19561958
Zirtzow, Ernst19581963
Schlott, Werner19631968
Brandt, Erich19681972
Rosenow, Karl19721975
Schlott, Werner19751988
Lenz, Hartmut19881989
Rosenow, Hans- Joachim19891991
Scheyda, Jürgen19911993
Conrad, Karl- Friedrich19931999
Zahn, Bernd19992015
Laß Heiko2015